
Text: Olaf Kühne; Foto: Archiv «der arbeitsmarkt»
«Mach s’ KV, dänn häsch öppis rächts!» Wie viele Eltern mit dieser Aufforderung auch dieses Jahr ihrem lehrstellensuchenden Nachwuchs die Adventszeit vermiesen, weiss ich nicht. Sie taten es aber schon, als ich mich Mitte der Achtzigerjahre daran machte, die Stelle fürs Leben zu finden. Heute, 25 Jahre später, kann ich sagen, dass es sie für mich nicht gibt. Denn ich habe ihn befolgt, diesen elterlichen Rat zur professionellen Glückseligkeit. Ich habe nicht nur eine kaufmännische Ausbildung genossen. Ich habe dies sogar in einem grundsoliden Staatsbetrieb getan. Wahrscheinlich wäre ich heute dort in einer gehobenen Position und würde mich jeden 25. des Monats über einen fünfstelligen Betrag auf meinem Konto freuen. Und genau so wahrscheinlich würde ich mich jeden Morgen wieder fragen, wie viele Tage es denn noch bis zu meiner Pension dauert. Dabei kann ich sie sogar verstehen, die Eltern, die sich für ihre Sprösslinge einen sicheren Job mit einem beruhigenden Einkommen wünschen. Gerne vergessen wir bei unserem Streben nach materieller Sicherheit aber, dass 50 Jahre in einem Job, der uns nicht glücklich macht, eine verdammt lange Zeit sein können.
Bei meinem letzten Arbeitgeber hatte ich die Gelegenheit, während der jährlichen Schnupperwochen die 15-jährigen Bewerber auf eine der begehrten KV-Lehrstellen einen halben Tag betreuen zu dürfen. Allen war anzumerken, dass sie die Ratschläge ihrer Lehrer, Berufsberater und Eltern beherzigten. Sie kamen adrett gekleidet, gaben sich interessiert und hatten auf fast jede Frage eine Antwort parat. «Warum willst Du denn das KV machen», habe ich jede und jeden gefragt. «Ich arbeite gerne mit Computern», kam es jeweils wie aus der Pistole geschossen. «Warum willst Du dann nicht Informatiker werden?» «Ähm…»
Dies soll nun aber kein KV-Bashing werden. Ganz im Gegenteil. Das KV, oder «Kauffrau/Kaufmann», wie die 3-jährige Lehre korrekt heisst, ist eine tolle Ausbildung. Sie ist eine gute Basis, die den Berufsleuten später sehr viele Türen öffnet und zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Wenn man denn Spass an seinem Beruf hat.
Leute, die ihre Jobs mit Herzblut machen, obwohl ihre Berufe in den Strudel des technologischen Fortschritts geraten sind, zeigen wir in unserem aktuellen Heft, in der Dezember-Ausgabe «der arbeitsmarkt». Den oft zitierten Hufschmied wollten wir dabei nicht überstrapazieren. Dafür gewähren ein Fernsehtechniker, ein Stenograf, zwei Fotolaboranten und ein Bahnhofvorstand Einblick in ihren Alltag. Bereits 1983 hätte wohl jeder Berufs- oder Unternehmensberater den zwei Fotolaboranten dringend davon abgeraten, sich mit einem Schwarz-Weiss-Labor selbstständig zu machen. Doch sie haben auf niemanden gehört, sind bis heute bar jeder elterlichen Vernunft ihrer Passion treu geblieben und können davon leben. Beneidenswert, nicht wahr?








