Montag, 29. November 2010

«Öppis rächts»




Text: Olaf Kühne; Foto: Archiv «der arbeitsmarkt»

«Mach s’ KV, dänn häsch öppis rächts!» Wie viele Eltern mit dieser Aufforderung auch dieses Jahr ihrem lehrstellensuchenden Nachwuchs die Adventszeit vermiesen, weiss ich nicht. Sie taten es aber schon, als ich mich Mitte der Achtzigerjahre daran machte, die Stelle fürs Leben zu finden. Heute, 25 Jahre später, kann ich sagen, dass es sie für mich nicht gibt. Denn ich habe ihn befolgt, diesen elterlichen Rat zur professionellen Glückseligkeit. Ich habe nicht nur eine kaufmännische Ausbildung genossen. Ich habe dies sogar in einem grundsoliden Staatsbetrieb getan. Wahrscheinlich wäre ich heute dort in einer gehobenen Position und würde mich jeden 25. des Monats über einen fünfstelligen Betrag auf meinem Konto freuen. Und genau so wahrscheinlich würde ich mich jeden Morgen wieder fragen, wie viele Tage es denn noch bis zu meiner Pension dauert. Dabei kann ich sie sogar verstehen, die Eltern, die sich für ihre Sprösslinge einen sicheren Job mit einem beruhigenden Einkommen wünschen. Gerne vergessen wir bei unserem Streben nach materieller Sicherheit aber, dass 50 Jahre in einem Job, der uns nicht glücklich macht, eine verdammt lange Zeit sein können.

Bei meinem letzten Arbeitgeber hatte ich die Gelegenheit, während der jährlichen Schnupperwochen die 15-jährigen Bewerber auf eine der begehrten KV-Lehrstellen einen halben Tag betreuen zu dürfen. Allen war anzumerken, dass sie die Ratschläge ihrer Lehrer, Berufsberater und Eltern beherzigten. Sie kamen adrett gekleidet, gaben sich interessiert und hatten auf fast jede Frage eine Antwort parat. «Warum willst Du denn das KV machen», habe ich jede und jeden gefragt. «Ich arbeite gerne mit Computern», kam es jeweils wie aus der Pistole geschossen. «Warum willst Du dann nicht Informatiker werden?» «Ähm…»

Dies soll nun aber kein KV-Bashing werden. Ganz im Gegenteil. Das KV, oder «Kauffrau/Kaufmann», wie die 3-jährige Lehre korrekt heisst, ist eine tolle Ausbildung. Sie ist eine gute Basis, die den Berufsleuten später sehr viele Türen öffnet und zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Wenn man denn Spass an seinem Beruf hat.

Leute, die ihre Jobs mit Herzblut machen, obwohl ihre Berufe in den Strudel des technologischen Fortschritts geraten sind, zeigen wir in unserem aktuellen Heft, in der Dezember-Ausgabe «der arbeitsmarkt». Den oft zitierten Hufschmied wollten wir dabei nicht überstrapazieren. Dafür gewähren ein Fernsehtechniker, ein Stenograf, zwei Fotolaboranten und ein Bahnhofvorstand Einblick in ihren Alltag. Bereits 1983 hätte wohl jeder Berufs- oder Unternehmensberater den zwei Fotolaboranten dringend davon abgeraten, sich mit einem Schwarz-Weiss-Labor selbstständig zu machen. Doch sie haben auf niemanden gehört, sind bis heute bar jeder elterlichen Vernunft ihrer Passion treu geblieben und können davon leben. Beneidenswert, nicht wahr?

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Working Poor aller Branchen, vereinigt euch!


Text: Andreas Affolter; Foto: Urs Lindt

«Warum gibst du ihr nichts?», fragt mich mein Töchterchen leicht vorwurfsvoll. Obwohl ich versucht habe wegzuschauen, weiss ich, wovon sie spricht: Im Eingangsbereich des Einkaufszentrums steht eine junge Mutter mit einem Kinderwagen und streckt Passanten die hohle Hand entgegen. «Das ist doch eine Zigeunerin», sagt mein Kind beeindruckt und gibt ihr etwas Münz. Auf der Rolltreppe wird mir bewusst, was mich irritiert hat: Wir Schweizer sind nicht gewohnt zu zeigen, wie gut oder wie schlecht es uns geht. Alle sind wir Mittelstand: Der Reiche protzt nicht mit seinem Vermögen, der Arme kaschiert seine materielle Not. Und wenn jemand trotzdem mal über Geldsorgen klagt, heisst es postwendend: «Der sollte halt mal richtig arbeiten.»


Solch gedankenlose Sprüche treffen die Working Poor besonders. Der Begriff bezeichnet Leute, deren Lohn nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Statistiker gehen von Haushalten aus, deren Mitglieder zusammen mindestens 36 Stunden pro Woche erwerbstätig sind. So kommen sie in der Schweiz auf rund 150 000 Working Poor. Eine(n) von ihnen möchte ich treffen, um ein Porträt zu verfassen. Deshalb frage ich bei den Stellen nach, von denen die alarmierenden Studien kommen: Universitäten, Hilfswerke, Gewerkschaften. Äusserst merkwürdig: Einen Kontakt kann mir innert nützlicher Frist niemand vermitteln.


Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass die Statistik übertreibt – doch ich wage an der Seriosität der Erhebung nicht zu zweifeln. Die wahrscheinlichere Erklärung lautet, dass sich die Working Poor nicht outen wollen. Wer gibt schon freiwillig zu, dass er für einen mickrigen Lohn schuftet? Und vor allem: Meistens sind die Betroffenen in sogenannt prekären Arbeitsverhältnissen tätig – das heisst, sie verdienen nicht nur wenig, sondern haben auch keine sichere Anstellung. Working Poor müssen jederzeit damit rechnen, dass der Arbeitgeber auf ihre Dienste verzichtet, wenn sie aufmucken und eine Gehaltserhöhung wollen.


Die Gewerkschaften fordern gesetzliche Mindestlöhne und Regelungen für Einsätze auf Abruf, weil es gerade für Tieflohnbranchen kaum Gesamtarbeitsverträge gebe. Langfristig sei keine Lösung, dass der Staat Working Poor Ergänzungsleistungen ausrichte; so subventioniere er indirekt miserabel zahlende Firmen.


Deshalb mein Aufruf: «Working Poor aller Branchen, vereinigt euch! Macht auf eure Situation aufmerksam. Gemeinsam habt ihr Chancen, eure Interessen durchzusetzen.» So könnte die Putzfrau des Reinigungsinstitutes, das für die Sauberkeit des Einkaufszentrums zuständig ist, beim Firmenlogo auf ihrem Kittel vermerken, wie viel – oder eben wie wenig – sie verdient. Wahrscheinlich würde meine Tochter dann sagen: «Papi, wie kommt sie nur über die Runden?», und ihr Kleingeld zustecken. Wenn die Arbeitgeber gleich sensibel reagieren, ist das Ziel des Protestes erreicht – und dies nicht nur für den Einzelfall.

Mehr dazu: Printausgabe «der arbeitsmarkt» 11/2010

Donnerstag, 30. September 2010

Schweizer Milch für die Karibik?


Text: Andreas Affolter; Foto: Urs Lindt

Das gepresste Milchpulver bewegt sich auf dem Fliessband auf mich zu, ich nehme die Tabletten und fülle sie in die Verpackung ab. Diese muss luft- und wasserdicht sein, da die Milch eine weite Reise in Dritte-Welt-Länder vor sich hat. Das war Anfang der Achtzigerjahre, ich jobbte als Student bei einer Zürcher Molkerei. Schon damals wurde die Milchmenge, die den Inlandbedarf überstieg, zu Schleuderpreisen exportiert. Heute ist der Milchsee grösser denn je. Die Lobby der Milchbauern macht politisch Druck, damit der Bund die Milchkontingentierung wieder einführt – dies rund eineinhalb Jahre nach Aufhebung der staatlichen Mengenregulierung. Der freie Markt funktioniere auf ihrem Buckel, jammern die Produzenten. Der Hintergrund: Weil viel zuviel Milch produziert wird, sinkt und sinkt der Molkereipreis. Ob sich dieses Problem löst, indem man alten Wein in neue Schläuche – pardon: alte Milch in neue Kannen – füllt, darf bezweifelt werden.

Eine Empfehlung an die Adresse der Landwirte lautet: «Verkauft eure Produkte direkt. So löst ihr den Endpreis.» Auch dieser Ansatz ist alles andere als neu. Ich bin im solothurnischen Mittelland aufgewachsen. Zehn Fussminuten von meinem Elternhaus entfernt lag ein Hof. Jeden Abend machte der Bauer die Runde durchs Dorf, an den Haltestellen schüttete er den Hausfrauen bzw. ihren Gesandten die weisse Flüssigkeit ins Chesseli. Es war echte Vollmilch: Meine Mutter kaufte nie Rahm, sondern konnte diesen oben abschöpfen. Und ich wusste, woher die Milch kam. Bei Spaziergängen mit dem Hund war ich immer wieder auf dem Hof und schaute dem Melker zu, der Radio Beromünster eingeschaltet hatte. Eines Tages gab es einen anderen Besitzer. Dem neuen Landwirt war die Tour durchs Dorf bald zu aufwändig, er fuhr lieber ohne Zwischenhalt in die Chäsi. Inzwischen hat der Wind wieder gedreht: Allgemein ist der Wert der Direktvermarktung anerkannt. Der erwähnte Bauer hat einen Hofladen eröffnet, er nimmt am Wochenmarkt im nahe gelegenen Städtchen teil. «Aus der Region» liegt im Trend. Und ein Teil der Konsumierenden ist bereit, dafür einen höheren Preis zu bezahlen.

Als Familienvater habe ich mir angewöhnt, preisbewusst einzukaufen. Ich poste nicht mehr Frischmilch im Chesseli, sondern uperisierte, homogenisierte und standardisierte Milch in der günstigen Tetra-Grosspackung. Jeweils gleich nach dem Aufstehen trinke ich eine Tasse Milchkaffee. Auch in andern Ländern, wo Milch nicht zu den Grundnahrungsmitteln gehört, brauche ich die morgendliche Ration. Manchmal mache ich den Preisvergleich mit dem Getränk, das ich abends am liebsten mag: Bier. In meiner zweiten Heimat, der Dominikanischen Republik, ist Milch fünfmal teurer. Vielleicht sollte ich meine Beziehungen nutzen, damit die überschüssige Schweizer Milch pulverisiert und spottbillig in die Karibik verschifft wird. Oder ich ändere meine Gewohnheiten und beginne den Tag schon mit Gerstensaft.

Mehr dazu: Printausgabe «der arbeitsmarkt» 10/2010

Montag, 30. August 2010

Der Kunde ist König


Text: Michael Helbling; Foto: Simone Gloor


Vor nicht allzu langer Zeit in einem nicht allzu fernen Land lebte einmal ein König. Er hatte alles, was er sich nur wünschen konnte und noch viel mehr. Vor allem litt er keinen Mangel an Bediensteten, die ihm das Leben erleichterten. Sie lasen ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Wenn er einmal keinen Wunsch hatte, lasen sie so lange, bis der König tief in sich ging und doch noch einen Wunsch fand. Bisweilen fand er Wünsche, von denen er nie geglaubt hatte, dass es sie gäbe. So lebte der König von einem Tag zum nächsten das geruhsamste und angenehmste Leben, das man sich nur denken kann.

Die Jahre zogen ins Land, und der König wähnte sich schon im Paradies auf Erden, hätten ihn nicht dann und wann Zweifel an seinem von Wünschen erfüllten Leben umgetrieben und um den Schlaf gebracht. Ihm blieb immer weniger Zeit, um mit seinen Herzögen und Edelleuten auszureiten oder auf die Jagd zu gehen, weil die Reihe der Bediensteten, die um eine Audienz bei ihm ersuchten, um ihm einen Wunsch zu erfüllen, immer länger wurde. Der König wurde zusehends gereizter und wusste sich ob der ganzen Annehmlichkeiten, die ihn umgaben, gar nicht mehr zu erfreuen.

Weil er die Bediensteten alle mit einem Goldstück für ihre Dienste entlöhnte, sah der König seinen ehedem unerschöpflichen Reichtum schwinden. War er bis dahin wegen seiner umgänglichen und sanftmütigen Art weitherum bekannt und beliebt, so hiess es unter den Bediensteten nun immer öfters, der König sei in letzter Zeit allzu reizbar. Es gebe bisweilen gar Tage, an denen er nicht einmal zufrieden zu stellen sei, wenn man ihm einen Wunsch von den Augen ablese.

Die Bediensteten verdrängten aber schnell alle Zweifel an ihrem Tun, denn wovon sollten sie leben und ihre Familien ernähren wenn nicht von den Goldstücken, die ihnen der König gab? Also machten sie ihm weiter ihre Aufwartung und erfüllten ihm immer mehr Wünsche, auf die er von selbst nie gekommen wäre. So trug es sich zu, dass die Bediensteten immer besser lebten, der König aber von Tag zu Tag ärmer wurde. Schliesslich musste er seine letzten Gewänder versetzen, um den Hunger seiner Diener nach Goldstücken stillen zu können. Er selbst hungerte immer mehr, derweil die Bediensteten immer feister und fauler wurden.

Der König heisst übrigens Kunde, und wenn er nicht gestorben ist, leidet er noch heute Hunger und verteilt Goldstücke an seine Bediensteten: die Telecomunternehmen, Krankenkassen, die Versicherungen und wer da sonst noch Wünsche erfüllt, wo keine sind.

Dienstag, 29. Juni 2010

Geschlechtsneutrale Zebrastreifen


Text: Annamaria Ress-Karl; Foto: Zoo Zürich, Karsten Blum

Irgendwie erinnern mich die Schweizer an die Schildbürger. Das waren seltsame Leute. Alles, was sie taten, machten sie falsch. Und alles, was man ihnen sagte, nahmen sie genauso, wie man es ihnen sagte. Bei den Schweizern zeigt sich diese Eigenart, wenn es um die deutsche Sprache geht, wie ich vor kurzem feststellen konnte. Eigentlich müssen wir Deutsch als Fremdsprache betrachten, weil wir uns manchmal recht schwer damit tun. Also lassen wir uns gerne auf alle Vorschläge und Leitfäden ein, die uns ein besseres oder sogar richtiges Deutsch vorgeben.
Unlängst startete die Schweizerische Bundeskanzlei einen zweiten Versuch, die Weiblichkeit in der Sprache einzuführen. «Geschlechtergerechte Texte stellen die Gleichstellung von Frau und Mann in der Sprache sicher», verspricht das Nachschlagewerk «Geschlechtergerechte Sprache». In Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften liess die Bundeskanzlei einen Sprachleitfaden für die Mitarbeitenden – man beachte die geschlechtsneutrale Bezeichnung – erarbeiten. Einige der darin enthaltenen Tipps sind nachvollziehbar. Es sind jedoch auch Vorschläge enthalten, die weder sinnvoll noch praktisch sind, geschweige den lesefreundlich. Zum Beispiel sollen nicht mehr «alle Teilnehmenden» die Prüfung bestehen, sondern «alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer». Ein «Buchhalterdiplom» wird geändert in «Buchhaltungsdiplom». Genauso mühsam und nicht angenehm zu lesen sind Strichbezeichnungen für die Anzeige der weiblichen Form, zum Beispiel Bürger/innen. «Das Elter» soll neu sogar geschlechtsneutral stehen für einen Elternteil – sowohl für den Vater als auch die Mutter.
Solche Ratschläge in einem Leitfaden bedingen, dass sie die Angestellten mit Augenmass umsetzen. Versuchen die Schreibenden krampfhaft, der Weiblichkeit gerecht zu werden, sind die Texte anstrengend und unschön zu lesen. Selbst dann, wenn die Sprachwissenschafterin Luise F. Pusch in der «NZZ am Sonntag» moniert: «Mit fast jedem Satz, in dem von Personen die Rede ist, erzeugt sie die Vorstellung einer männlichen Person.»
Das mag stimmen, doch scheint mir dennoch absurd, dass in vielen Texten – übrigens auch im Internet - Otto Normalverbraucher jetzt plötzlich Ottilie Normalverbraucherin an seiner Seite stehen haben soll. Der Leitfaden der Bundeskanzlei schlägt dies ebenfalls vor, unter dem Begriff «geschlechtsneutrale Bezeichnung». Obwohl dies eigentlich keinen Sinn macht. Die sinnvollen weiblichen Formulierungen und Ausdrücke haben hierzulande doch längst Einzug gehalten. Unsinnig sind zudem andere «geschlechtergerechte» oder neutrale Ausdrücke, die im Leitfaden der Bundeskanzlei vorkommen. Ein Lehrerzimmer wird zum Pausenzimmer umbenannt und bekommt damit auch eine neue Bedeutung. Wie übrigens der Fussgängerstreifen, der nun definitiv sein Geschlecht verlieren soll. Aber wer will schon – beim Wort genommen – über einen Zebrastreifen gehen? Man stelle sich das einmal vor – das arme Tier! Geschlechterneutral und –gerecht ist halt eben noch lange nicht tiergerecht.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Brausetablette und Walzermusik


Von Simone Sonderegger

Ein Vorstellungsgespräch ist keine leichte Sache. Es ist ein Ereignis, das einem in einen Zustand zwischen nervöser Erwartungshaltung und hoffnungsvoller Vorfreude versetzt. Es könnte ja der richtige Job sein.

Das meinte auch ein Freund, der mir in einem E-Mail schrieb. «Du, dieser Job ist doch wie für dich gemacht.» Dabei war ein Link zum Inserat. Ich las: «Kulturmanagerin gesucht für Reiseagentur» und bewarb mich. Circa zwei Wochen später bekam ich einen Anruf. Herr Hämmerli war am Apparat, der mich zu einem Vorstellungsgespräch einlud. Er wirkte am Telefon etwas verwirrt, aber ich beachtete es nicht, schliesslich freute ich mich.

Zwei Tage vor dem Gespräch erhielt ich nochmals ein Telefon. Er fragte mich, ob ich eine Stunde früher kommen könne. Dann hätten wir Zeit, noch etwas zu arbeiten. Jetzt war ich verwirrt. Meinte er quasi eine Testarbeit? Nein, er habe grade noch etwas zu erledigen und ich könne ihm dabei helfen. Ich sagte mangels anderer Alternativen zu. Aber die Kritikerin im Hinterkopf meldete sich bereits. Was solls, ich werde es sehen. Am Tag des Vorstellungsgesprächs zog ich meinen Hosenanzug und die weisse Bluse an und machte mich auf den Weg. Vorher hatte ich natürlich gut recherchiert.


Herr Hämmerli stellte sich als zerknitterter, verlebter Mann heraus, der in einem ebensolchen Büro hauste. Das erste, was mir auffiel, war die zentimeterdicke Staubschicht auf dem Schreibtisch und die aufgetürmten Unterlagen. Aus einem Kofferradio auf dem Fenstersims ertönte klassische Musik. Ich setzte mich. Nachdem er sich gesammelt hatte, fragte er mich:

«Was ist das für Musik?»

«Klassische Musik», antwortete ich.

«Das ist klar», sagte er, «aber was ist es für Musik?»

Ich überlegte dieses Mal genauer, und hoffte, dass es die richtige Antwort sei:

«Walzer...?»

«Haben Sie schon einmal Walzer getanzt?»

«Nur in der Schule», antwortete ich und fragte mich, ob er eine Tanzlehrerin suche oder mich nur ausführen wolle. Er stellte eine Viertelstunde lang weiter Fragen über klassische Musik und Opernbesuche. Dann wagte ich mich, aus eigenem Antrieb eine Frage zu stellen:

«Wie stellen Sie sich eine zukünftige Mitarbeiterin vor?» Auf den Ausbruch, der darauf folgte, war ich nicht gefasst.

«Was fällt Ihnen ein?! Sie können mich doch nicht mitten im Gespräch unterbrechen. Sie sind schliesslich in einem Vorstellungsgespräch. Da muss man sich darauf einlassen.»

Nun hatte er mein Interesse definitiv geweckt. Offenbar hatte ich vor mir ein sehr spannendes Individuum mit einem ausgeprägt verhaltensoriginellen Touch. Der Job kam mir bis jetzt nicht so anspruchsvoll vor. So könnte ich mich aber die Hälfte der Zeit mit den Win- und Wendungen der Persönlichkeit des Chefs beschäftigen. Und das auch noch an Orten wie Barcelona oder Wien!


Irgendwann kam er nochmals auf die Oper zu sprechen, ein Thema, das ihm offenbar sehr am Herzen lag.

«Waren Sie schon einmal in der Oper?»

«Leider nein, aber ich interessiere mich für Theater.»

«Was haben Sie zuletzt gesehen?» Nach kurzem Überlegen fiel mir das Dürrenmattstück ein, das ich im römischen Theater von Augusta Raurica gesehen hatte.

«Ich kann nicht so oft ins Theater gehen, das ist leider auch eine Geldfrage», sagte ich dazu.

«Nein, das ist es nicht. Wenn man sich für Theater interessiert, geht man hin. Dann spielt Geld keine Rolle.»

Ich wollte das mit ihm nicht diskutieren und sagte nur:

«Das ist Ihre Meinung.»

«Nein, das ist keine Meinung. Das kann man auch in den Lehrbüchern nachlesen.»

Damit war die Diskussion für mich erledigt. Dieser geballten Ladung eindrücklicher Logik konnte ich nicht widersprechen.


Im Verlauf des Gesprächs fing plötzlich die CD mit der klassischen Musik an zu springen. Sie verharrte auf demselben Ton. Nach einer gefühlten Ewigkeit, ich begann mich bereits daran zu gewöhnen, stellte er die Musik ab. Dann folgte die nächste Frage:

«Haben Sie Schwestern?»

Etwas verblüfft über die Frage, gab ich zur Antwort:

«Ja, eine ältere Schwester. Warum?»

«Das ist Family. Das ist Familie.» Nach dieser sehr aussagekräftigen Antwort blieben natürlich keine Fragen offen. Plötzlich rieb er sich mit beiden Händen die Oberarme und fragte mich: «Finden Sie es auch so kalt hier?» Da ich mein Jacket nicht ausgezogen hatte, war mein persönliches Wärmeempfinden eher an der oberen Grenze. Ich verneinte. Er verschwand im Nebenzimmer um kam nach einer Weile mit einem Glas Wasser zurück, in dem eine Brausetablette sprudelte.


Danach war er offensichtlich etwas fitter und stellte die kniffligen Fragen.

«Was kennen Sie in Europa?»

«Ähm, wie meinen Sie das jetzt genau?»

«Wo sind Sie schon gewesen?»

«Viele Male in Frankreich, Italien. Ein-, zweimal in Griechenland...»

«Sagen Sie es konkret.»

«In Concarneau, in Sperlonga...»

«Barcelona?»

«Da war ich leider noch nie.»

«Paris?»

«Ein paar Mal bin ich dort gewesen.»

In diesem Stil ging es weiter. Wir jetteten verbal durch Europa. Er führte mich durchs Gespräch, wobei mir das Prinzip dahinter völlig unklar war.

Irgendwann mussten wir wieder auseinander.

Das Gespräch hatte eine knappe Stunde gedauert. Über den Job wusste ich nicht mehr als vor dem Gespräch. Ich sagte ihm, dass ich mich in der darauffolgenden Woche wieder bei ihm melden wolle. Was ich auch versuchte. Leider erreichte ich ihn nicht und legte den Fall zu den Akten. Ein halbes Jahr später, ich hatte die Angelegenheit schon halb vergessen, erhielt ich einen Anruf. Ob ich noch interessiert sei an der Stelle. Die Entscheidung war in Sekundenschnelle gefasst. Für die Antwort nahm ich mir aus Pietätsgründen etwas länger Zeit: Nein.

Es war offensichtlich, dass wir unterschiedliche Vorstellungen hatten. Und plötzlich wusste ich, warum das Vorstellungsgespräch so heisst. Weil man sich nicht vorstellen kann, was einen erwartet.

Donnerstag, 15. April 2010

Überraschende Ohrfeige


Von Annamaria Ress-Karl

Im Kanton Zürich hat das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) Asylsuchenden verboten, weiterhin das Strassenmagazin «Surprise» zu verkaufen. Das Verbot gleicht einer Ohrfeige an diese 40 Asylsuchenden, die den Staat nicht belasten möchten, sondern mit eigener Leistung einen Beitrag an ihren Aufenthalt in der Schweiz leisten wollen. Der integrative Charakter des «Surprise»-Programmes sei nicht gegeben, teilte das AWA mit.
Grund dafür ist die sogenannte Branchenregelung: Die Asylsuchenden dürfen nur in gewissen Bereichen wie der Landwirtschaft oder der Pflege, nicht aber im Verkauf arbeiten. Letztes Jahr gewährte der Kanton Zürich den «Surprise»-Mitarbeitern eine Übergangsfrist. Nun ist sie abgelaufen.
Die entsprechende Pressemitteilung der Zürcher Regierung erschien, bevor die rechtsgültige Verfügung beim Strassenmagazin vorlag. Dass «Surprise» aus den Medien von diesem Entscheid erfahren musste, ist eine kommunikative Fehlleistung, die die Betroffenen vor den Kopf stösst.

Als Stellensuchende ärgert mich eine solche Nachricht masslos. Ich weiss, wie sich Menschen fühlen, die sich für wenig Geld in einem Arbeitsgebiet versuchen, das weder attraktiv noch lukrativ ist. Was heisst das aber nun für die betroffenen Asylsuchenden? Sie werden mit diesem Entscheid definitiv zurück in die Asylheime in einen Alltag ohne Initiative und Sinn und in die Abhängigkeit der Staatshilfe geschickt.

Was ist eigentlich nicht integrativ am «Surprise»-Verkaufsprogramm? Der Asylsuchende, der in meiner Wohngemeinde jeweils sein Magazin im Ladenzentrum anbietet, ist jedenfalls bereits gut integriert bei der Einwohnerschaft. Manch einer bleibt stehen und wechselt ein paar Worte mit ihm. Jugendliche grüssen ihn und fragen ihn, wie es ihm geht. Ist das nicht auch Integration? Aus meiner Sicht schon.
Solche Situationen sind viel wertvoller, als wenn der Asylsuchende unter seinesgleichen in der Landwirtschaft tätig wäre. Der Kontakt zu anderen Menschen verschiedenster Herkunft, sozial und beruflich, geht durch das Verkaufsverbot des Magazins verloren.

Montag, 22. März 2010

Pralinen picken, Lotto spielen, Stellen suchen




Von Michael Helbling

«Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiss nie, was man kriegt.» Forrest Gump alias Tom Hanks lehrte uns schon 1994, wie tiefschürfend Binsenwahrheiten sein können. Gerne sagt sich unsereins, dass dies oder jenes im Leben ein Lotto sei: die Wahl der schnellsten Kasse am Samstagnachmittag vor Ladenschluss, das passende Geschenk für den Schatz daheim, die Erfolgsaussichten der Schweizer Nati an der WM in Südafrika – und eine erfolgreiche Jobsuche in Zeiten der Krise. Täusche ich mich, oder vernehme ich gerade ein 172 999-faches Kopfnicken? 172 999 können nicht irren, und hinter verschlossenen Türen dürfte mancher HR-Manager ein bisschen mitnicken. Wer will es ihm übel nehmen? Schliesslich muss sich der arme Tropf nicht selten durch hunderte von Dossiers wühlen. Dass bei einer ersten Auswahl König Zufall seine Finger im Spiel hat, versteht sich von selbst. Kein Wunder, werden viele Stellensuchende fatalistisch und vertrauen ihr Glück dann und wann der Lottofee an. Könnte ja sein, dass es klappt und man für alle Zeiten ausgesorgt hat. Ferien buchen statt Stellen suchen sozusagen. Doch die Wirklichkeit holt einen schneller ein, als einem lieb ist. Wer nämlich im Internet schauen will, obs endlich geklappt hat und www.lotto.ch in die Adresszeile eintippt, landet auf Jobsuchmaschine, einer Plattform für Stellensuchende. Manchmal ist das Internet wie eine Schachtel Pralinen.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Endstation – bitte alle aussteigen!


Text: Anita Schuler; Foto: SBB

Der Postauto-Chauffeur hält zwei Sekunden inne, stellt sich vor die sitzenden Fahrgäste hin und blickt jedem fest in die Augen, bevor er frühmorgens die Pendler mit einem Lächeln begrüsst: «Guete Morge mitenand!» Ich bin nicht auf dem Land, wo man sich noch persönlich kennt und ständig mit Namen begrüsst, trotzdem ist auch in der Agglomeration ein bisschen Vertrautheit und viel Engagement möglich, wie mich dieser Fahrer glauben macht. Nach seiner Begrüssung setzt er sich gut gelaunt hinters grosse Steuer, richtet den Sitz, startet den Motor und fährt mich nach Winkel.
Reden mit dem Chauffeur ist verboten. Er muss sich auf den Verkehr konzentrieren. Werden darum die Haltestellen ab Tonband automatisch angesagt? Eine Frauenstimme sagt im Postauto jeweils 45 Sekunden vor dem nächsten Stopp die Haltestelle an. Ich wünschte mir öfter mal, eine tiefe Männerstimme würde diesen Dienst übernehmen. Im beruhigenden Bass oder als Otto-Waalkes-Stimme, die mich aufheitert. Doch Feldversuche der SBB haben ergeben, dass die Fahrgäste weibliche Stimmen bevorzugen. Frauen haben die deutlichere Aussprache und ihre Stimme wird als freundlich wahrgenommen.

Dummes System

Leider erkennt das einfältige System keine Fehler, zum Beispiel wenn es zum x-ten Mal «Endstation Rapperswil. Bitte alle aussteigen!» aus den Lautsprechern scheppert, obwohl die S5 noch immer durchs Zürcher Unterland fährt. Nach dem vierten Mal «Endstation Rapperswil. Bitte alle aussteigen!» nervt die fehlerhafte Ansage und ich frage mich, warum der Zugbegleiter dieses Ding nicht abstellt. Aber zu dieser Zeit fährt in der S5 kein Zugbegleiter mit.
Der Lokomotivführer könnte eingreifen – wenn er hörte, was in den Waggons schief läuft. Kann der Zug nicht weiterfahren, ist er es, der innerhalb dreier Minuten persönlich eine Statusmeldung durchgibt. Danach übernimmt das Operation Center Personenverkehr der SBB. Direkt und live von der Schaltzentrale Bern hält es die Passagiere über die Art des Problems auf dem Laufenden und wie lange es dauert, bis der Zug weiterfährt, und ob die Anschlusszüge warten. Wo die Technik versagt, greift der Mensch korrigierend ein. Sofern er es merkt.

Mensch oder Maschine?

Ob die Zugansagen ab Dose kommen oder ein Mensch live spricht, ist eine Frage der Ausrüstung. Neue Züge sind mit dualen Systemen bestückt: Bildschirme und Ansagen auf Band. Ältere Modelle müssen ohne diese Technik auskommen. Darum fährt in den grünen, nostalgisch anmutenden Bummelzügen ein Kondukteur mit. Es ist seine Aufgabe, jede Haltestelle persönlich anzukündigen. Dank seiner umgehängten roten Box – digitaler Billettentwerter und Online-Fahrplan in einem – sagt er kurz vor dem Aussteigen die Anschlüsse, die Abfahrtszeiten und das Abfahrtsgeleise durch. Auf diese persönlichen Durchsagen verlasse ich mich gern.

Tonalität ab Band

Weniger gefallen mir jedoch die Direktiven ab Band. Im Befehlston und dennoch bemüht freundlich weist mich die Rhätische Bahn an: «Fahrgäste nach Davos – bitte umsteigen!» Sie kann es auch freundlicher. Besonders nett tönt es nach dem Vereinatunnel: «Susch. Fermada sün dumonda.» Da ich kein Wort Rätoromanisch spreche – höchstens aus dem Italienischen den Sinn erahnen und bestenfalls erraten könnte – klingt diese Sprache mit den vielen Zisch- und Umlauten sympathisch. Trotz Stimme ab Band: Ich bleibe sitzen – nur des rätoromanischen Wohlklangs wegen.
Nach der Bündner Regionalbahn mit dem Intercity zurück ins urbane Unterland: Ich höre die Worte, lausche der Stimme und wähne mich im Flieger. Der Singsang der englischen Durchsage ab Band ähnelt dem bekannten «fasten your seat belt please» in den Flugzeugen. Fehlt nur noch, dass eine uniformierte SBB-Mitarbeiterin mit Handzeichen erklärt, wie die Schwimmwesten anzulegen sind und wo sich die Notausgänge befinden.

Verabschiedung

Stationen ansagen, Richtung ankündigen sowie eine Standardbegrüssung und eine ebensolche Verabschiedung – mehr kann die Stimme ab Band nicht. Der Chauffeur des Postautokurses 530 Flughafen Zürich–Bülach hingegen zaubert mir mit seinem persönlichen «Uf wiederluege mitenand. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag» ein Lächeln auf die Lippen. Das kann nur er.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Aufräumcoach für geplagte Eltern


Text: Miriam Bollhalter; Foto: Simone Gloor

Das Neueste auf dem Berufsfeld – zumindest für mich – entdeckte ich, als ich neulich in der Tagespresse mehrfach das Inserat «Aufräumen mit Kindern – Kurs für geplagte Eltern» sah. Ja, Sie lesen richtig, «geplagte Eltern» können einen Aufräumkurs besuchen, besser wohl: gegen Bezahlung absolvieren und zwar in Zürich. Ein Aufräumcoach, so Inserat, gibt das Wissen auf diesem Gebiet an einem Samstag zwischen neun und dreizehn Uhr zum Besten.
Unklar ist, ob die Eltern die Kinder in den Kurs mitnehmen oder nicht. Wenn nicht, ist klar, bei wem der Coach den Hebel ansetzt: nämlich bei den Eltern. Wenn ja, bliebe es offen, ob im Kurs den Kindern der Ordnungssinn direkt nahegelegt wird.

Einmal besuchte ich mit meinem Nachwuchs einen Kurs, und das habe ich noch in lebendiger Erinnerung, vor einigen Jahren in dem berühmten «MuKi»-Turnen. Da turnt frau mit ihrem Kind zusammen, im Gegensatz zum «VaKi»-Turnen, bei dem die Papis gefordert sind. Wir machten da zum Beispiel eine halbe Stunde eine Übung, die Segelschiffe nachahmen sollte, genauer: Ich musste die ganze Turnhallenlänge im Sitz mit wellenförmigen Bewegungen mit meinem zappelnden Sohn auf dem Schoss etwa zehnmal «durchsegeln». Fazit: Hinterher war ich erledigt und der Kleine immer noch putzmunter. Eine Erfahrung, die sich im «MuKi»-Rahmen wiederholte. Mit diesem Hintergrund ist meine Befürchtung bestimmt nachvollziehbar, dass nach einem Aufräumkurs wieder die Eltern erschöpft sind, während sich die Kinder weiterhin mühelos des Lebens erfreuen.

Gibt es wirklich Familien, die es nicht einmal mit den durchsichtigen Ikea-Containern, die in jeder Grösse erhältlich sind und zwar stapelbar, in ein Gestell einschiebbar, unter dem Bett versteck- oder auf dem Kleiderschrank aufsetzbar, schaffen, den Kinderkram so zu verstauen, dass sie den Überblick gewinnen?
Laut Kursinserat sieht es so aus, dass der Coach die Eltern nicht dazu anhalten wird, weniger materielle Güter – denn nur die muss man aufräumen – anzuhäufen. Denn weniger Konsum und somit Kinderzimmerüberflutung wäre gegen das angeblich notwendige Wachstum. Damit ist das wirtschaftliche Wachstum gemeint und nicht etwa das Wachstum der Kinder – dem wäre eher mit materiellem Rückgang gedient, nach dem Motto: Weniger ist manchmal mehr.
Und mit welchen Mitteln könnten die Erzieher den Problemnachwuchs dazu bringen, das Zimmer in Ordnung zu halten? Es schüttelt mich bei der Vorstellung der methodischen Ansätze, die einem solchen Coaching zugrunde liegen könnten! Und wenn ich mich nicht für die richtige Methode entscheiden kann? Das könnte Nebenwirkungen haben! Nein, ich bleibe beim Alten.

Wenn ich es mir recht überlege, habe ich eigentlich keinen Bedarf an Ratschlägen bezüglich der Wunschordnung im Kinderzimmer. Nicht, dass ich keine Kinder hätte, nein, bei uns funktioniert das Zimmeraufräumen, Gott sei dank, recht gut. Mein Sohn macht zwar nicht alles so ganz aus freien Stücken, aber er räumt gut auf. Eine klare «wenn - dann»-Verknüpfung motiviert ihn regelmässig zur Höchstleistung: Ist sein Zimmer in gutem Zustand (seinem Alter angemessen), darf er pro Tag eine halbe Stunde Medienzeit beziehen. So heisst bei uns das Pendeln zwischen TV, PC, PSP, Nintendo, iPod und Co.
Ja, ich weiss, diese Methode ist im Grunde alt, meine Eltern machten es mit uns genauso. Bloss wird die soziale Vererbung in diesem Fall kaum als Generationenvertrag gewürdigt – nach den heutigen Kuschelmassstäben würde man sie eher als Erpressung qualifizieren, und davor habe ich echt Angst. Bin ja doch eine gute Mutter.
Ich kaufe lieber weniger billigen Mist, gebe weiter, womit er nicht mehr spielt, hole mir für den Notfall den Gratiskatalog bei Ikea und verkaufe meinem Sohn gelegentlich gegen seine Aufräumwährung etwas Medienzeit – bin ja schliesslich nicht blöd!