Mittwoch, 29. August 2012

Ohne Licht kein Bild





Text und Foto: Marga Schuttenhelm

Ist der Akku geladen? Sind die Daten von der Speicherkarte gelöscht und die Linsen frei von Staub und Schmutz? Ich sitze auf dem Stubenboden, um mich herum ausgebreitet mehrere Objektive, verschiedene Kabel und meine Kamera. Seit einem Jahr bin ich als semiprofessionelle Fotografin tätig. Vor jedem Fotoshooting überprüfe ich die gesamte Ausrüstung und versuche zu entscheiden, was ich alles für die Aufnahmen brauche und mitnehmen muss. Wie üblich packe ich viel mehr in den Fotorucksack ein als nötig – man weiss ja nie, für einen Fotografen lauert hinter jeder Ecke ein Motiv, und wie man so schön sagt: «Die Erfahrung lehrt einen.»

Einer meiner ersten Fotoaufträge, den ich nicht so schnell vergessen werde, fand in einem Kieswerk im sanktgallischen Bazenheid statt: eine Fotoreportage über die Ausbildung von Rettungshunden durch den Verein Redog, eine gemeinnützige, humanitäre Freiwilligen- organisation, die ihre Dienste im In- und Ausland anbietet. Ich dachte: «Super, Kieswerk – das gibt Aussenaufnahmen. Licht ist genug vorhanden; den Blitz kann ich getrost zu Hause lassen, dann muss ich nicht so viel Material schleppen.»

Am Samstagmorgen im Kieswerk angekommen, treffe ich in der grossen Werkhalle die Hundeausbildner mit ihren Tieren. 
Sie besprechen gerade die einzelnen Übungseinheiten. Ich höre gespannt zu. Ein Ausbildner spielt das Opfer und versteckt sich auf dem Gelände des Kieswerks. Der Hundeführer nimmt mit seinem Hund die systematische Suche nach der vermissten Person auf. Mit der Kamera bewaffnet, folge ich dem Duo. Knips, knips, knips – schnell die Bilder auf dem kleinen Monitor prüfen, die Belichtungseinstellung korrigieren, und weiter: knips, knips … Ja, das kommt – nicht gut. Völlig überraschend finde ich mich in den unterirdischen Gängen des Kieswerks wieder.

Damit hatte ich nicht gerechnet. Es ist dunkel, kein Tageslicht, nur alle paar Meter eine Notlampe, die spärlich vor sich hinflackert. Ich suche nach meinem Blitz – oh nein, der liegt zu Hause! Meine letzte Hoffnung sind der integrierte Aufhellblitz an der Kamera und mein Fotobearbeitungsprogramm zu Hause am Computer. Es bleibt keine Zeit zum Überlegen … knips, knips …

Später fahre ich frustiert heimwärts. Ich ärgere mich über mich selber.
Am Computer sichte ich die Bilder, die Auswahl der Fotos ist schnell getroffen. Es sind doch noch tolle Aufnahmen geworden. Glück gehabt!

Mein Fotorucksack ist gepackt. Ein letzter prüfender Blick – ja der Blitz ist drin.